Information für die Bürgerinnen und Bürger

in der Umgebung kerntechnischer Anlagen 


Bei kerntechnischen Anlagen, die nach dem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren in Betrieb genommen werden, ist die erforderliche Vorsorge gegen denkbare Schäden nach dem Stand der Wissenschaft und Technik getroffen worden. Dadurch ist sicher gestellt, dass Ereignisse, die zu einer Notfall- oder Katastrophensituation in der Umgebung der Anlage führen können, extrem unwahrscheinlich sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass niemand mit letzter Sicherheit die Möglichkeit eines kerntechnischen Unfalls ausschließen kann, wie gering auch immer die Wahrscheinlichkeit hierfür sein mag.

Beim Eintreten eines kerntechnischen Unfalls im Kernkraftwerk Unterweser mit einem Ausmaß, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet ist, ist der Landkreis Wesermarsch auf Grund des Niedersächsischen Katastrophenschutzgesetztes (NkatSG) zum Eingreifen verpflichtet.

Die bei einem angenommenen Unfall freigesetzten radioaktiven Stoffe können auf unterschiedlichen Pfaden zu einer Strahlenbelastung von Menschen und Umwelt führen.

Radioaktive Stoffe können entweder als Gase oder als Schwebstoffe in die Luft freigesetzt werden. Schwebstoffe sind Gemische aus feinen Schwebeteilchen und Gasen, wie sie beispielsweise auch beim Aufsprühen von Lacken und Farben aus Sprühdosen entstehen.

Radioaktive Stoffe können auf unterschiedlichen Wegen zu einer Strahlenbelastung des Menschen führen:

  • durch direkte Strahlung in der Luft
  • durch direkte Strahlung von Ablagerungen am Boden, auf Häusern und evtl. auch Kleidung
  • durch Einatmen (Inhalation) sowie
  • durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel (Ingestion)

radioaktiv-stoffe.jpg



Wie werden Sie bei einer radiologischen Notfallsituation gewarnt und unterrichtet?  

Eine Freisetzung radioaktiver Stoffe beginnt aufgrund der hohen Sicherheitsstandards nach Meinung der Experten frühestens mehrere Stunden nach dem Schadenseintritt im Kernkraftwerk. Bei bestimmten Ereignisabläufen sind nennenswerte Freisetzungen, z. B. im Rahmen einer gefilterten Druckentlastung, erst nach 3 bis 4 Tagen zu erwarten.  In dieser Zeit können ausreichende Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen werden. Wenn in Gefahrsituationen die Bevölkerung eines größeren Gebietes gewarnt werden soll, können dafür folgende Warnmittel, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, eingesetzt werden:

  • Sirenen
  • Informationen über Rundfunk (NDR2 oder private Radiosender), Fernsehen und Videotext
  • Warndurchsagen über Lautsprecherwagen von Polizei und Feuerwehr
  • Informationen über die Internetpräsenz des Landkreises Wesermarsch 
    (http://www.landkreis-wesermarsch.de/)


Rufen Sie nicht die Notrufnummern der Polizei und der Feuerwehr an, um zu erfahren, was los ist. Für Auskünfte wird beim Landkreis Wesermarsch im Katastrophenfall zeitgerecht ein Bürgertelefon eingerichtet (04401-927 570).



Verhaltensregeln im Falle einer unfallbedingten Freisetzung von Radioaktivität 


 ... sich im Freien aufhalten:

  • Bedecken Sie möglichst die komplette Körperoberfläche (auch Kopf, Hände und Gesicht).
  • Tragen Sie festes Schuhwerk.
  • Halten Sie ein nasses Tuch vor Mund und Nase, um  die Inhalation radioaktiver Stoffe zu vermeiden.
  • Bewegen Sie sich möglichst quer zur Windrichtung.
  • Suchen Sie das nächste bewohnte Haus auf. 
  • Wenn Sie bereits mit radioaktiven Stoffen in Berührung gekommen sind, wechseln Sie bei Betreten des Hauses Oberbekleidung und Schuhe. 
  • Lassen Sie verschmutzte Oberbekleidung und Schuhe außerhalb des Wohnbereichs. 
  • Waschen Sie Gesicht, Haare und Hände gründlich, ebenso Nase und Ohren. 
  • Befolgen Sie die Hinweise zum Aufenthalt in Gebäuden.


... im Auto unterwegs sind:

  • Schalten Sie die Belüftung aus bzw. auf Umluft und schließen Sie die Fenster.
  • Hören Sie Radio ( UKW, Regionalsender) und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte. 
  • Fahren Sie ansonsten zum nächsten bewohnten Gebäude und folgen Sie den Hinweisen beim Aufenthalt im Freien bzw. in Gebäuden.

... sich im Gebäude aufhalten:      

  • Bleiben Sie im Gebäude.
  • Nehmen Sie gefährdete Passanten vorübergehend auf. 
  • Informieren Sie - falls erforderlich - andere Hausbewohner. 
  • Schließen Sie Türen und Fenster.
  • Schalten Sie Ventilatoren und Klimaanlage aus, schließen Sie die Lüftungsschlitze der Fensterrahmen. 
  • Telefonieren Sie nur in Notfällen. Suchen Sie einen Kellerraum oder einen gut geschützten Innenraum der Wohnung auf, der möglichst keine Außenfenster hat. 
  • Vermeiden Sie unnötigen Sauerstoffverbrauch durch Kerzen o.ä. 
  • Schalten Sie zu Ihrer Information das Radio auf UKW-Empfang eines Regionalsenders oder das Fernsehgerät ein. 
  • Beachten Sie die Durchsagen der Behörden und Einsatzkräfte. 
  • Benutzen Sie beim Eindringen radioaktiver Partikel vorhandene Atemschutzgeräte, notfalls Mundschutz wie z. B. OP -Maske oder feuchte Tücher.



Einnahme von Jodtabletten  

Radioaktives Jod gehört zu den Stoffen, die bei einem kerntechnischen Unfall freigesetzt werden können. Werden rechtzeitig Tabletten mit nicht radioaktivem Jod (Kaliumjodid) eingenommen, wird die Strahlenbelastung der Schilddrüse durch radioaktives Jod stark gemindert. Radioaktives Jod kann sich nämlich dann nicht mehr im Körper - speziell in der Schilddrüse - ansammeln. Kaliumjodidtabletten werden vorrätig gehalten.  

Nach einem Aufruf über den Rundfunk oder nach entsprechenden Lautsprecherdurchsagen können Sie diese Tabletten bei den Ausgabestellen Ihres Wohnortes abholen, sofern sie nicht an die Haushalte bereits vorab verteilt wurden (im 10 km-Radius um das Kernkraftwerk) oder im Ereignisfall verteilt werden. Nähere Auskünfte erteilt Ihre Gemeinde- oder Stadtverwaltung. Wegen der möglichen Nebenwirkungen sollten Sie Jodtabletten nur dann einnehmen, wenn Sie von den Katastrophenschutzbehörden dazu aufgefordert werden. Der Zeitpunkt der Einnahme ist wichtig und wird bekannt gegeben.

Nähere Hinweise über die Wirkungsweise der Jodtabletten und deren Anwendung entnehmen Sie bitte den ausgehändigten Beipackzetteln oder der Internetpräsenz des Landkreises Wesermarsch (http://www.landkreis-wesermarsch.de/). Auf der Internetseite http://www.jodblockade.de/ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sind ebenfalls umfangreiche Informationen enthalten.



Verhalten der betroffenen Personen bei der Evakuierung 

Eine Evakuierung kann sinnvoll sein, wenn eine Gefahr für Ihre Gesundheit durch eine tatsächlich erfolgte Freiset­zung radioaktiver Stoffe zu befürchten ist oder als vor­sorgliche Schutzmaßnahme, wenn eine spätere erhebliche Freisetzung nicht ausgeschlossen werden kann. In diesem Fall wird die Katastrophenschutzbehörde (Landkreis Wesermarsch) eine Evakuie­rung anordnen.  

Die Festlegung des gefährdeten Gebietes hängt unter anderem von den jeweils herrschenden Wind- und Wetterverhältnissen ab. Die evakuierte Bevölkerung wird – sofern sie das Gebiet nicht selbstständig verlässt – in ein sicheres Gebiet (Aufnahmegemeinden) gebracht, wo sie vorübergehend untergebracht, verpflegt und betreut wird. Die Evakuierungsrouten und Aufnahmebereiche werden im Bedarfsfall bekannt gemacht; sie hängen von der Wetterentwicklung im konkreten Fall ab.



Wenn Sie sich in einem Gebiet befinden, für das eine Evakuierung angeordnet wird, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Schalten Sie Ihr Rundfunkgerät ein und befolgen Sie die von der Katastrophenschutzbehörde veranlassten Hinweise und Anordnungen. Sollten Sie nicht in der Lage sein diesen Anordnungen Folge zu leisten, bitten Sie bei Ihrer Gemeindeverwaltung um Hilfe.

  • Verständigen Sie ältere Mitmenschen, Kranke und Behinderte in Ihrer Nachbarschaft, wenn Sie meinen, dass diese den Evakuierungsaufruf nicht gehört haben. Im Bedarfsfall vermitteln Sie Hilfe bei Ihrer örtlichen Gemeindeverwaltung.

  • Packen Sie ein Notgepäck mit den Dingen, die Sie für sich und Ihre Angehörigen für zwei bis drei Tage benötigen. Denken Sie dabei auch an Ersatzkleidung sowie an wichtige Papiere und persönliche Unterlagen.

  • Richten Sie Ihren Haushalt und ggf. Ihren Arbeitsplatz auf Ihre Abwesenheit ein:

    • Schalten Sie Geräte aus, von denen eine Gefahr ausgehen könnte, wenn sie unbeaufsichtigt sind.
    • Schließen Sie Gas- und Wasserhähne.
    • Löschen Sie offene Feuerstellen.

  • Versorgen Sie Tiere, die Sie nicht mitnehmen können, mit einem ausreichenden Futtervorrat. Nutzvieh sollte in Ställen verbleiben. Für eine spätere Notversorgung kennzeichnen Sie die Räume mit Vieh und Haustieren durch das nebenstehende Zeichen. Diese Räume sollten auch in Ihrer Abwesenheit zugänglich sein.

  • Halten Sie Fenster und Türen Ihrer Wohnung verschlossen und schalten Sie die Lüftungs- und Klimaanlagen aus.

  • Wenn Sie nicht mit einem privat PKW aus dem Evakuierungsgebiet herausfahren können, begeben Sie sich zu der örtlichen Sammelstelle. Diese werden Ihnen gemeinsam mit der Aufforderung zur Evakuierung mitgeteilt. Sollten Sie nicht in der Lage sein, sich selbst zu einer Sammelstelle zu begeben, so zeigen Sie dies durch ein weißes Tuch oder Bettlaken an einem Fenster, möglichst zur Straßenseite, an. Sie werden dann von Helfern abgeholt.

  • Die Katastrophenschutzbehörde wird im möglichen Evakuierungsgebiet dafür sorgen, dass Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben. Wenn dies aufgrund des Zeitablaufs nicht möglich war und eine Evakuierung erforderlich ist, werden die Kinder mit ihren Lehrern und Betreuern zusammen in den Aufnahmebereich gebracht. Hier sorgt man dafür, dass die Familie wieder zusammengeführt wird.


 

Wenn Sie Strahlung ausgesetzt waren, beachten Sie folgendes:

  • Von der Katastrophenschutzbehörde werden Notfallstationen eingerichtet, Ihre Lage wird bekannt gegeben. Ebenso die Gebiete, die einer besonderen Gefährdung durch radioaktive Stoffe ausgesetzt sind. Personen aus solchen Gebieten sollten zu einer Notfallstation kommen.

  • In Notfallstationen können Kontaminationen mit radioaktiven Stoffen festgestellt und von ausgebildeten Helfern des Katastrophenschutzes beseitigt werden. Es sind auch Ärzte anwesend, die eine mögliche Strahlenbelastung abschätzen und über weitere medizinische Maßnahmen entscheiden können.

  • Sollten Sie eine Notfallstation nicht aufsuchen können, so waschen/duschen Sie sich außerhalb des betroffenen Gebiets und wechseln Sie Ihre Oberbekleidung und Schuhe. Verpacken Sie die benutzte Bekleidung vorsorglich, wenn möglich in einem luftdichten Beutel, so kann sie später auf Kontamination geprüft werden.

 


 

 

Landkreis Wesermarsch
Fachdienst Sicherheit & Ordnung
Poggenburger Straße 15
26919 Brake


Ansprechpartner:
Rainer Zon

Zimmer:  406
Telefon:  04401  927-345
E-Mail:    rainer.zon@lkbra.de


Sprechzeiten:
Mo. - Fr.    08:30 - 12:00 Uhr
Mo. - Do.  14:00 - 15:30 Uhr
und nach Vereinbarung

Jede Stimme zählt!
Hier verfolgen Sie am Wahlabend die Ergebnisse.