Digitale Gewalt an Frauen nimmt zu

Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises organisiert Fachtagung zur Thematik

„Digitale Gewalt ist in Zeiten, in denen die Digitalisierung immer weiter voranschreitet, ein prägnantes Thema und als Gewaltform inzwischen weit verbreitet. Sie tritt in diversen Facetten auf und beschränkt sich nicht auf eine Zielgruppe. Die Anzahl Betroffener, überwiegend Frauen, nimmt stark zu“, berichtet Maren Ozanna, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch. „Deswegen“, so Ozanna, „müssen Sensibilisierungen diesbezüglich forciert werden“.

Das Fazit einer repräsentativen Studie aus dem Jahr 2019 bestätigt die These, dass überwiegend Frauen von digitaler Gewalt betroffen sind. 88% der Teilnehmenden geben an, dass sich der Hass im Netz gegen Frauen richtet. Die Dunkelziffer von Betroffenen wird als hoch eingeschätzt. Die große Anzahl an Fällen war jetzt Anlass für eine Fachtagung des Referates Gleichstellungsfragen des Landkreises Wesermarsch.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises hatte Mitarbeitende verschiedener Institutionen der Wesermarsch in die Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) in Brake eingeladen, die in ihrer beruflichen Tätigkeit mit dem Thema in Berührung kommen.

Dazu zählten Beschäftigte der Polizei, der Beratungsstellen AWO, Schwangerenberatung Donum Vitae, Brötjehof und CVJMSozialwerk Wesermarsch sowie Anwältinnen. „Alle Teilnehmenden fungieren nun als Multiplikator*innen, die ihr neu erlerntes Wissen in die Einrichtungen hineintragen können, sodass möglichst viele Mitarbeiter*innen der verschiedenen Einrichtungen für das Thema sensibilisiert werden“, erläutert Ozanna.

Als Referentin war Jenny-Kerstin Bauer vor Ort, die als Expertin durch die Veranstaltung führte. Sie beschrieb, dass bei jeglicher Form von Gewalt, bei der technische Hilfsmittel oder digitale Medien (Handy, Apps, Internetanwendungen, Mails, etc.) genutzt werden und/oder die in den sozialen Netzwerken stattfindet, von digitaler Gewalt die Rede ist. Ferner beschrieb sie, dass digitale Gewalt oftmals eine Fortsetzung oder Ergänzung von Gewaltverhältnissen und - dynamiken darstellt. Digitale Gewalt lässt sich in diverse Unterkategorien differenzieren: Beispielsweise wird von Cyberstalking gesprochen, sobald eine Person eine andere bedroht, belästigt oder diese einschüchtert mit Hilfe digitaler Medien und/oder technischer Hilfsmittel. Cybermobbing ist hingegen dafür berüchtigt, dass Täter*innen temporär systematisch schikanieren oder quälen, indem sie private Fotos im Netz veröffentlichen – mit schwerwiegenden Folgen für Betroffene.

Des Weiteren informierte die Referentin darüber, wie Betroffene feststellen, dass eine Spionagesoftware auf dem eigenen Gerät installiert wurde. Hinweise dafür sind unter anderem ein sich ungewöhnlich schnell entladener Akku oder ein ungewohnt hoher Datenvolumenverbrauch. So eine Spionagesoftware ermöglicht es Täter*innen beispielsweise herauszufinden, auf welchen Plattformen und/oder Homepages sich Betroffene aufhalten, oder sie können dadurch das Gerät Betroffener orten. Das kann verheerende Folgen für Betroffene haben.

Bauer brachte immer wieder anonymisierte Fallbeispiele aus ihrer Tätigkeit im Frauenhaus mit ein, die die Gefahr, die von digitaler Gewalt ausgeht, verdeutlichten. Ein kleiner und leicht umsetzbarer Tipp ist, die Sicherung des Smartphones durch einen 6 bis 8- stelligen Code zu gewährleisten sowie Ortungsdienste oder Bluetooth wirklich nur dann einzustellen, wenn diese auch genutzt werden.

Bei Bedarf können Betroffene unter Telefon 04401/927-436 mit der Beratungsstelle LaWeGa Kontakt aufnehmen und sich persönlich oder telefonisch beraten lassen. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.



Zu dieser Presseinformation steht Ihnen für Auskünfte Maren Ozanna, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch, zur Verfügung.
Tel. 04401 -927 288


 

 Hilfsangebote
 bei häuslicher Gewalt

>> Beratungs- und Interventionsstelle [BISS]