Runder Tisch Wolf – Austausch mit Behörden und Interessensvertretungen im Kreishaus

Runder Tisch Wolf: Bewertung der aktuellen Lage vor dem Hintergrund der Risse in den letzten Wochen innerhalb der Wesermarsch

Nach den Wolfrissen der vergangenen Wochen innerhalb der Wesermarsch fand auf Einladung des Landrates Stephan Siefken am 11. Mai ein Informationsaustausch der für das Thema Wolf zuständigen Behörden, des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch sowie Vertretern des Landes-Schafzuchtverbandes Weser-Ems und der Deichschäfer statt. Neben einer Einschätzung der aktuellen Lage gab es in diesem Rahmen auch einen Austausch über die neue Organisation und die neuen Zuständigkeiten im Wolfsmanagement und -monitoring sowie Herdenschutzmaßnahmen und deren tatsächliche Umsetzbarkeit. Landrat Stephan Siefken: „Aufgrund der besorgten Anrufe von Seiten der betroffenen Nutztierhalter, die mich in den letzten Wochen erreicht haben, ist mir bewusst geworden, dass die geänderten Zuständigkeiten im Bereich der Rissaufnahmen und der neuen Funktion der Wolfsberater in der Fläche noch nicht angekommen sind, sodass es wichtig war, kurzfristig einen Austausch mit allen zuständigen Behörden und den Interessensvertretern durchzuführen und im Anschluss betreffende Informationen in die Fläche geben zu können.“

Eine der wesentlichen Änderungen im Umgang mit dem Wolf und der Abwicklung von Schäden wurde seitens des zuständigen Referatsleiters Artenschutz im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen, und Klimaschutz (MU), Herrn Hans-Jörg Schrader, dargestellt, wonach seit dem 1. Februar 2022 die Dokumentation und Bearbeitung von Nutztierschäden von der Aufnahme bis zur Entschädigung ausschließlich durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) durchgeführt wird. Bei einem möglichen Wolfsriss von Nutztieren kann die LWK unter der neu eingerichteten Hotline 0511-36651500 kontaktiert werden. Die Rissbegutachtung wird dann jeweils vor Ort ausschließlich durch die Bezirksförster der LWK durchgeführt.

Die LWK ist zudem für die Beratung und die Bearbeitung von Präventionsanträgen zum Herdenschutz (Beschaffung von wolfsabweisenden Schutzzäunen oder von Herdenschutzhunden) sowie die Bearbeitung von Anträgen auf Auszahlung von sogenannten Billigkeitsleistungen, nach Feststellung des Wolfes als Verursacher des betreffenden Nutztierrisses, zuständig. Auch wenn nach Auffassung des Geschäftsführers des Kreislandvolkverbandes, Herrn Manfred Ostendorf, weder die betrieblichen, noch die räumlichen Gegebenheiten die Einzäunung der Weideflächen in der Wesermarsch ermöglichen, warb die für solche  Präventionsmaßnahmen zuständige Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer, Frau Elke Steinbach, darum, sich bezüglich des Herdenschutzes beraten zu lassen. Die Betriebe und Hobbynutztierhalter könnten sich dazu jederzeit bei ihr melden, 0441 801 639, elke.steinbach@lwkniedersachsen.de.

Die veränderte Aufgabe der Wolfsberater*innen ist nunmehr darauf ausgerichtet, in Zusammenarbeit mit dem Wolfsbüro (NLWKN) und der Landesjägerschaft Niedersachsen das landesweite Wolfsmonitoring zu begleiten und als direkte Ansprechpartner vor Ort die Bürgerinnen und Bürger zu beraten. Die Qualifikation von drei solchen Wolfsberatern für den Landkreis Wesermarsch ist nach Aussage des MU mittlerweile erfolgt und eine Berufung werde aktuell vorbereitet, sodass diese kurzfristig zur Verfügung stehen. Die Kontaktdaten finden sich im Internet unter https://www.nlwkn.niedersachsen.de/wolfsberater/wolfsberaterinnen-und-wolfsberaterin-niedersachsen-45574.html. Der Landkreis Wesermarsch wird dann die neuen Wolfsberater*innen vorstellen, sodass auch diese Information bei den Betrieben und den Bürgerinnen und Bürgern vorliegt.

Von Seiten der Landwirtschaftskammer hat Frau Jennifer Kraushaar, die als Veterinärin auch die Schulung der nunmehr im Bereich der Wolfrissbegutachtung spezialisierten Personen der Kammer ausgebildet hat, die allgemeine Lage in der Wesermarsch aufgrund dokumentierter Fälle der letzten Jahre dargestellt. Hier zeige sich, dass in absoluten Zahlen die Wesermarsch aktuell kein Hotspot für Übergriffe durch den Wolf sei. Ob es sich um einzelne durchziehende Wölfe handelt wird derzeit anhand genetischer Untersuchungen geklärt. Die vergleichsweise geringe Anzahl der bestätigten Wolfsrisse im Landkreis Wesermarsch lässt daher aufgrund der Regelungen des Artenschutzes, die auf europäischen Vorgaben beruhen, rechtlich keine Entnahme einzelner Tiere zu. Landrat Stephan Siefken dazu: „Wenn man die Gesamtzahl der Wölfe allein in Niedersachsen betrachtet, dann liegt diese höher als in einigen skandinavischen Ländern, die aber schon Regelungen zur Begrenzung ergreifen. Warum es in Anbetracht des Ziels einer gesicherten Population zum Erhalt der Art nicht möglich ist, Bereiche an der Küste und einer Deichlinie, die nicht wirksam gegen Wolfsrisse geschützt werden kann, rechtlich als wolfsfrei auszugestalten, ist für mich unverständlich.“ Zuvor hatten die anwesenden Vertreter der Schafhalter und Deichschäfer, Herr Dieter Voigt und Herr Hans-Gerd Strodthoff-Schneider, bereits ihre erheblichen Bedenken in Bezug auf den Herdenschutz, insbesondere im Bereich der langgezogenen Deichkörper, verdeutlicht.

Zur Vermeidung weiterer Übergriffe und um ein angepasstes und schnelles Wolfsmanagement sicherzustellen, ist es in Anbetracht der räumlichen Situation und der Bedeutung der Beweidung mit Schafen wichtig, hier die Entwicklung der Lage genau zu beobachten. Da das Monitoring hier besonders bedeutend ist, appellieren alle Beteiligten an die Bürgerinnen und Bürger, jegliche Wolfshinweise, -sichtungen und Nahbegegnungen unter wolf@ljn.de oder über die Smartphone-App https://www.wolfsmonitoring.com/app an die Landesjägerschaft Niedersachsen zu melden. Aber auch von Rissen betroffene Nutztierhalter*innen sollten die Hotline der Forstverwaltung immer unter der o.g. Nummer informieren, damit alle relevanten Daten auch erfasst und dokumentiert werden können. Aufgrund der aktuellen Rechtslage ist dieses wichtig, ohne Meldungen sind die Behörden auch artenschutzrechtlich nicht handlungsfähig und es ergibt sich kein tatsächliches Lagebild, zumal wenn sich die Zahl der Fälle in der Wesermarsch erhöhen sollte und sich auch Rudel hier niederlassen.

Am Ende des regen Austausches war somit klar: Auch mit der Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht wird es in Niedersachsen keine wolfsfreie Zone im Landkreis Wesermarsch geben, da das europäische Recht dieses ausschließt. Landrat Stephan Siefken lässt sich dennoch nicht von seiner grundsätzlichen Haltung abbringen: „Ich bleibe dabei, der Wolf passt nicht in die durch Weidetierhaltung und die Deichschäfereien geprägte Wesermarsch. Wir müssen aber mit der aktuellen Gesetzeslage so gut wie möglich umgehen und abwarten, dass Brüssel die Weichen anders stellt, sodass Bund und Land nachziehen können. Dennoch ist es gut, dass wir uns heute grundsätzlich über ein verstärktes Monitoring abgestimmt haben und dieses unter Federführung des MU erfolgen soll. Die Übernahme der Aufgaben und Funktionen im Bereich der Rissbegutachtung durch die Landwirtschaftskammer und die neue Funktion der Wolfsberater helfen sicherlich, die Nutztierhalter*innen und die Bevölkerung aufzuklären und ein stückweit mitzunehmen.“

 

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